Der Laie Pang
| Heft: | 02 | 2026 Macht |
| Verlag: | Angkor Verlag |
| Jahr: | 2024 |
| Preis: | 10 Euro |
| Seiten: | 84 |
Rezension
Mit „Der Laie Pang“ legen die Übersetzer Guido Keller und Taro Yamada eine weitere Sammlung klassischer Zen-Texte aus dem 9. Jahrhundert vor, die geeignet ist, nach intellektueller Erkenntnis strebende Leserinnen und Leser gehörig vor den Kopf zu stoßen – sollen sie doch über das nur Verständliche und das kognitive Denken hinausführen und zu einer ursprünglichen, ganzheitlichen, die Seinsweise radikal verändernden Erfahrung hinführen.
Einem anonymen Vorwort, das auf die Ming-Ausgabe von 1637 zurückgeht und das Leben des Laien Pang anekdotisch erzählt, folgen 25 kurze, „Gespräche“ benannte Episoden, denen neun „Gedichte“ nachgestellt sind. Yun Jushi Pang, der aus einer Familie konfuzianischer Tradition stammte, lebte im Übergang vom 8. zum 9. Jahrhundert in Hengyang in der heutigen Provinz Hunan. Mit seiner Frau und seinen zwei Kindern bewohnte er eine Einsiedelei, bevor er in der Begegnung mit seinen Lehrern Erleuchtung erlangte. Danach zog er „wie ein Blatt im Wind“ durchs Land und „prüfte, ob die Menschen das letztgültige Prinzip erlangt hatten“. Jede seiner Handlungen, heißt es, war vom ursprünglichen Geist des Mahayana durchdrungen.
Das Buch gibt zunächst kurze Gesprächsszenen mit Shih-tou und Ma-tsu wieder, den beiden Meistern, die Pangs Erleuchtung inspirierten und die Erfahrung bestätigten. Diese Nachschriften beruhen auf Erzählungen der Nachwelt und umfassen Begegnungen, Gespräche und Gedichte des Zen-Schülers, dessen Herkunft aus konfuzianischer Tradition noch spürbar ist. Sie sind so angelegt, dass sie die Philosophie des Zen ideal in Szene setzen. Denn dem blitzartigen Verstehen kommt im Zen zwar eine wichtige Rolle zu – als Augenblick, in dem der gewöhnliche Seins- und Bewusstseinszustand „schmilzt“. Die Schülerin, der Schüler, denen sich der ursprüngliche, ungeborene Zustand der Leere offenbart, müssen diese Erkenntnis und vorweggenommene Erfahrung aber lebenslang hüten und verwirklichen: Über die unaussprechliche Erfahrung zu reden und Vorträge zu halten, wird nicht empfohlen. Stattdessen sollen sie in konkreten lebensweltlichen Situationen den Umständen entsprechend handeln, verbal und nonverbal, um andere zu der unaussprechlichen Erfahrung erwachen zu lassen. Entsprechend bieten die Geschichten im Buch vor allem Absurdes, Paradoxes, Unverständliches und lassen keinen Zweifel, dass über die Erfahrung, um die es geht, nicht sinnvoll gesprochen werden kann.
Pangs abschließende Gedichte weisen noch einmal auf zentrale Elemente des radikal gewandelten Erfahrens hin, zu dem neben der Leere, die zugleich Offenheit und Weite ist, das entspannte Sein-Lassen, das Niemand-Sein und das Dienen gehören: „Außen kein anderer / innen kein Selbst … gehe ich den Nicht-Weg / ohne meinen üblichen / Menschenkram aufzugeben.“
Benedikt Maria Trappen


